Baja California Sur ist international als Schutzgebiet für Grauwale anerkannt. Sein ökologischer Wert reicht jedoch weit über dieses majestätische Meeressäugetier hinaus. Die Region beherbergt eine außergewöhnliche Vielfalt an Flora und Fauna, von Zugvögeln und Meeresschildkröten bis hin zu Reptilien, Amphibien und Wüstensäugetieren. Dieses Mosaik des Lebens macht den Lagunenkomplex zu einem der wichtigsten und artenreichsten Ökosysteme an der östlichen Pazifikküste.
Meeressäugetiere: Giganten des Ozeans
Jeden Winter kommen zwischen 300 und 400 Grauwale (Eschrichtius robustus) zur Lagune, um sich zu paaren und ihre Jungen zur Welt zu bringen. Dieses Naturschauspiel hat San Ignacio zu einem globalen Vorbild für verantwortungsvollen Ökotourismus gemacht. Darüber hinaus wurden gelegentlich Buckelwale (Megaptera novaeangliae) und Orcas (Orcinus orca) gesichtet, während Große Tümmler (Tursiops truncatus) und Kalifornische Seelöwen (Zalophus californianus) regelmäßig anzutreffen sind.
Grüne Meeresschildkröte: Ein ständiger Besucher
Die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas), die als gefährdete Art gilt, ernährt sich von Seegras in der Lagune. Ihre Anwesenheit ist häufig und Bestandteil der laufenden Überwachungs- und Schutzmaßnahmen in der Region.
Zugvögel und Standvögel: Ein Himmel in Bewegung
Insgesamt wurden in dem Gebiet 221 Vogelarten nachgewiesen, darunter 47 gefährdete und 3 eingeführte Arten. Unter den Zugvögeln stechen 20 Entenarten und die Schwarzgans (Branta bernicla nigricans) hervor, deren Winterpopulation über 33.000 Individuen umfasst und die die Lagune zu ihrem wichtigsten Überwinterungsgebiet macht.
Zählungen zwischen 1991 und 1994 ergaben einen Bestand von über 354.900 Watvögeln an der Westküste von Baja California, von denen sich 8,9 % im Lagunenkomplex von San Ignacio aufhielten. Im Januar 1993 wurden 31.542 überwinternde Watvögel gezählt, wobei Kleinvögel 62,1 % der Gesamtzahl ausmachten.
Auf der Insel Ballena, die Teil des Lagunenkomplexes ist, wurden 44 Vogelarten und 9 Brutvogelarten nachgewiesen, darunter Westlicher Pelecanus, Goldhühnchen, Dreifarben-Greisfink, Dreifarben-Greisfink, Westlicher Lachvogel, Alexandersittich, Riesen-Fischadler und Haliaetus (letzterer mit der weltweit dichtesten Fischadlerkolonie mit 180 Brutpaaren).
Zu den charakteristischen Arten zählt der Alexandersittich (Charadrius alexandrinus), dessen Population auf der gesamten Halbinsel zu 28 % in dieser Lagune vorkommt. Außerdem wurde eine endemische Unterart des Gelbkehl-Waldsängers (Setophaga petechia) dokumentiert.
Amphibien und Reptilien: Anpassungen an die Wüste
Im Jahr 1994 wurden zwei Amphibienarten und 37 Reptilienarten gemeldet. Die bekanntesten Amphibien sind die Rotfleckenkröte (Bufo punctatus) und die Couch-Schaufelfußkröte (Scaphiopus couchii), die beide an das Auftauchen nach Regenfällen angepasst sind.
Zu den bemerkenswerten Reptilien gehören:
- Callisaurus draconoides (Zebraschwanzleguan)
- Phrynosoma coronatum (Küstenhornleguan)
- Dipsosaurus dorsalis (Wüstenleguan)
- Masticophis flagellum (Peitschennatter)
- Pituophis melanoleucos (Gopherschlange)
- Salvadora hexalepis (Westliche Fleckennasennatter)
- Crotalus ruber (Rote Diamantklapperschlange)
Diese Arten sind wesentliche Bestandteile des Wüstenökosystems und spiegeln einen hohen Grad an ökologischer Spezialisierung wider.
Landsäugetiere: Vielfalt zwischen Sträuchern und Dünen
Bei der gleichen Erhebung von 1994 wurden 40 Säugetierarten erfasst. Zu den repräsentativsten zählten:
- Fledermäuse: Myotis californicus, Pipistrellus hesperus, Eptesicus fuscus
- Kojote (Canis latrans)
- Schwarzschwanzkaninchen (Lepus californicus)
- Waschbär (Procyon lotor)
- Känguru-Ratten (Dipodomys peninsularis, D. merriami)
- Weißschwanzantilopenhörnchen (Ammospermophilus leucurus)
Ebenfalls erwähnenswert sind der Maultierhirsch (Odocoileus hemionus) und die Gabelantilope (Antilocapra americana), deren Vorkommen zwar selten, aber von großem biologischem Wert ist. Am 27. Mai 1992 wurde ein Gabelantilopenpaar in der Nähe von Médano Amarillo gesichtet, was auf ein zeitweises Vorkommen in der Region hindeutet.
Küsten- und Feuchtgebietsvegetation
Die Vegetation rund um die Lagune von San Ignacio besteht aus Arten, die hochgradig an salzhaltige und überflutete Umgebungen angepasst sind. Zu den charakteristischen Arten gehören:
- Laguncularia racemosa, dominant in saisonal überfluteten Gebieten
- Rhizophora mangle, typisch für permanent überflutete Zonen
Weitere assoziierte Pflanzenarten sind: Salicornia virginica, Salicornia subterminalis, Batis maritima, Monanthochloe littoralis, Atriplex spp., Sueda mexicana, Mesembryanthemum crystallinum, Abronia maritima und Distichlis spicata.
Diese Pflanzen stellen nicht nur eine wichtige Vegetationsdecke dar, sondern spielen auch eine Schlüsselrolle bei der Bodenstabilisierung, der Sedimentrückhaltung und der Unterstützung einer vielfältigen Tierwelt.
Ein global bedeutsames Ökosystem
Die Lagune von San Ignacio ist als Ramsar-Gebiet anerkannt, gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe und ist Teil des Biosphärenreservats El Vizcaíno. Die Vielfalt der dort beheimateten Meeres-, Land- und Zugvogelarten macht sie zu einem natürlichen Labor für die Wissenschaft, einem wichtigen Ziel für Umweltbildung und einem leuchtenden Beispiel für das harmonische Zusammenleben von Natur und lokaler Bevölkerung.
Die Erhaltung der Artenvielfalt von San Ignacio bedeutet den Schutz eines der letzten Wildnisrefugien des Nordpazifiks.















